Betriebsseelsorge. Diözese Rottenburg-Stuttgart Mail senden an ARBEIT ZUERST eG

GRUNDSÄTZE der Genossenschaft ARBEITZUERST eG

„Unsere Genossenschaft ARBEITZUERST antwortet auf den gesellschaftlichen Skandal der Langzeitarbeitslosigkeit durch den Verbund der Genossen. ARBEITZUERST eG ist nicht nur ein Unternehmen, sondern auch ein ständiger Bildungsprozess aller Beteiligten. Genosse zu sein bedeutet, dass wir an unserem Eigentum arbeiten. Und um erfolgreich zu sein, ist es nötig, gemeinsam zu handeln. Ein angemessenes Betriebsklima, Teamarbeit und unsere breite Weiterbildung zum Wohle der Genossenschaft sind dauerhafte Aufgaben.“
Guido Lorenz, Betriebsseelsorger und Promotor der Genossenschaft „ARBEITZUERST“

In einer Arbeitsmarktsituation, in der besonders ältere Arbeitnehmer als Erwerbslose fast nur noch über Zeitarbeit Beschäftigungschancen haben, haben sich in Stuttgart Männer und Frauen zusammengefunden mit dem Ziel, in Form einer eingetragenen Genossenschaft ‚Personaldienstleistung’ zu betreiben. Dabei geht es um Hilfe zur Selbsthilfe.

Unternehmerische Aufgabe der Genossenschaft ist es, ihre Mitglieder als fest angestellte Zeitarbeitnehmer zu beschäftigen mit dem Ziel, sie über das Zeitarbeitsverhältnis in ein betriebliches Normalarbeitsverhältnis zu vermitteln.

Die Genossenschaft ist an den Werten der Christlichen Soziallehre orientiert.

    Wir betonen deshalb
  • den sittlichen Vorrang des Faktors Arbeit, also der Interessen der arbeitenden Menschen vor den Kapitalinteressen;
  • den Subjektcharakter des Menschen in der Arbeit, sich als Miteigentümer zu verstehen;
  • den instrumentellen Charakter des Kapitals zum Vollzug des Unternehmens;
  • das Streben nach fairer Entlohnung.

Die Genossenschaft selbst soll nach dem Grundsatz „Vorrang der Vergütung der Arbeit, Nachrang der Verzinsung des Eigenkapitals“ nicht der Maximierung der Gewinne dienen. In ihr sollen sich die Wesensprinzipien einer Genossenschaft in besonderer Weise zeigen, nämlich durch Selbsthilfe, Selbstbestimmung und Selbstverantwortung im nachfolgenden Sinn:

Selbsthilfe

Die Mitglieder der Genossenschaft erkennen ihre Arbeitslosigkeit als gemeinsames Defizit und wollen sie durch den Zusammenschluss aus eigener Kraft – mittels Arbeitnehmerüberlassung in den ersten Arbeitsmarkt – überwinden. Dafür bedarf es unternehmerisch handelnder Akteure in der Genossenschaft, die für sich und andere – grundsätzlich nach vergleichbaren Bedingungen des Einsatzbetriebes – Arbeit erschließen, sowie die betrieblichen Geschäfte führen.

Selbstbestimmung

Die beschäftigten Arbeitnehmer/Genossen erhalten in einem demokratischen Prozess die Möglichkeit der Beteiligung an der Kontrolle des Betriebes. Es sind deshalb entsprechende Strukturen zu schaffen, u.a. durch Beteiligung an der direkten Auswahl von Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern. Die Mitglieder des Vorstandes müssen aus den eigenen Reihen der Genossenschaftsmitglieder stammen und haben daher grundsätzlich die gleichen Interessen wie alle anderen Mitglieder.

Selbstverantwortung

Die Mitglieder der Genossenschaft stehen sich als Solidargemeinschaft bei. Auch wenn die Haftung der Mitglieder beschränkt ist, findet sich der Solidargedanke in der demokratischen Struktur der Genossenschaft wieder: Jedes Mitglied hat grundsätzlich eine Stimme – unabhängig von der Kapitalbeteiligung, als mitarbeitende Genossen haben sie ein doppeltes Stimmrecht.

Der Name der Genossenschaft
bezieht sich auf das unternehmerische Ziel,
ARBEIT ZUERST zu schaffen,
indem ARBEIT
für die berufliche ZUkunft der Mitglieder,
insbesondere mit ihrem beruflichen ERfahrungsschatz
in der Region STuttgart
angeworben wird.

Grundprinzipien:

Freier Beitritt

Die Genossenschaft ARBEITZUERST steht allen Frauen und Männern auch als Förder-mitgliedern offen, die die Grundprinzipien dieser Grundsätze akzeptieren. Es existieren daher keinerlei Diskriminierungen aus religiösen, politischen, ethnischen oder geschlechtsspezifischen Gründen. Zur Finanzierung der Genossenschaft sollen auch Förder-Genossinnen und Genossen gewonnen werden. Spätestens nach sechs Monaten Beschäftigung werden die Leiharbeitnehmer angehalten, Mitglied in der Genossenschaft zu werden.

Demokratische Organisation

    Die Genossenschaft basiert auf der Gleichheit der Mitglieder der Genossenschaft, was die Anerkennung einer demokratischen Organisation des Unternehmens beinhaltet. Diese Organisation stellt sich folgendermaßen dar:
  • Souveränität der Generalversammlung, welche sich aus der Gesamtheit der Mitglieder der Genossenschaft zusammensetzt und die grundsätzlich nach dem Verfahren ‚eine Person eine Stimme’ arbeitet; mitarbeitende Mitglieder haben ein doppeltes Stimmrecht.
  • Wahl eines Vorstandes aus den Reihen der Genossenschaftsmitglieder.
  • Wahl eines Aufsichtsrats aus Persönlichkeiten des kirchlichen, caritativen und gewerkschaftlichen Lebens, aus dem Umfeld der Betriebsseelsorge und der Erwerbslosenorganisationen.

Vorrang der Arbeit

Der erwirtschaftete Nettogewinn wird vorrangig entsprechend der geleisteten Arbeit verteilt, aber auch für die Fortbildung und Qualifizierung der Mitglieder der Genossenschaft eingesetzt. Nachrangig werden die Verzinsungsinteressen der Genossenschaftsanteile bedient. Die jährliche Gewinnausschüttung beträgt maximal 70% und minimal 30 % des verfügbaren Nettogewinns.

Instrumentaler Charakter des Geldes

Gemäß den Prinzipien der Christlichen Soziallehre sieht die Genossenschaft den Faktor Kapital als ein der Arbeit untergeordnetes Instrument, das allerdings für die Entwicklung des Unternehmens notwendig ist, der Würde und dem Wert des arbeitenden Menschen aber untersteht.

Teilnahme an der Geschäftsführung

Generalversammlung

    Hauptsächliches Beteiligungsorgan der Mitglieder der Genossenschaft ist die Generalversammlung. Ihre Befugnisse sind u.a.
  • Wahl der Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates,
  • Genehmigung des Jahresabschlusses und der Festlegung der Gewinnverteilung oder Verlustzurechnung,
  • Genehmigung der allgemeinen Leitlinien und Strategien der Genossenschaft,
  • Genehmigung der Erweiterung des Gesellschaftskapitals und des Zinses, welcher auf die Kapitaleinlagen der Genossen entfällt,
  • Genehmigungen von Änderungen der wirtschaftlichen, organisatorischen oder funktionellen Struktur der Genossenschaft,
  • Entgegennahme des Rechenschaftsberichtes und Entlastung des Vorstandes.

Vorstand

    Der Vorstand, der von den Mitgliedern der Genossenschaft auf der Generalversammlung gewählt wird, ist das Vertretungsorgan und führt die Geschäfte der Genossenschaft. Die Amtszeit beträgt drei Jahre. Wiederwahl ist möglich. Seine Aufgaben sind u.a.
  • Einberufung der Generalversammlung
  • Aufnahme und Ausscheiden der Genossen
  • Entscheidung über Organisationsänderungen
  • Vorschläge an die Generalversammlung zur Genehmigung der Jahresabschlüsse, zu allgemeinen Leitlinien und Strategien der Genossenschaft, zur Erweiterung des Gesellschaftskapitals und zur Festlegung des Zinses, welcher auf die Kapitaleinlagen der Genossen entfällt, sowie zu Änderungen der wirtschaftlichen, organisatorischen oder funktionellen Struktur der Genossenschaft.

Aufsichtsrat

Der Aufsichtsrat, der ebenfalls von der Generalversammlung gewählt wird, dient der Förderung der Betriebsidee und der Überwachung der Grundprinzipien. Zu den zu überwachenden Grundprinzipien zählt vorrangig der Grundsatz ‚Arbeit vor Kapital’. Es sollen Persönlichkeiten des kirchlichen, caritativen und diakonischen, dem gewerkschaftlichen Umfeld, sowie aus der Betriebsseelsorge und der Erwerbsloseninitiativen gewählt werden; sie sollen Mitglieder der Genossenschaft sein. Die Amtszeit beträgt drei Jahre. Wiederwahl ist möglich.

Solidarität bei der Vergütung

Im internen Bereich der Genossenschaft soll die Differenz der Vergütung zwischen arbeitenden Genossinnen und Genossen mit geringer Qualifikation und einer Führungskraft das Verhältnis von 1 zu 4 nicht übersteigen.

Im externen Bereich der Arbeitnehmerüberlassung wird eine Vergütung bezahlt, die dem Branchenbereich der Stammbelegschaft angenähert ist und zugunsten der arbeitenden Genossen - auch in den sonstigen wesentlichen Arbeitsbedingungen – deutlich von den tariflichen Bedingungen der Verleihbranche abweicht. In jedem Fall soll auf eine Existenz sichernde Entlohnung und eine korrekte Einstufung geachtet werden.

Mitarbeitende Genossen dürfen nicht als Streikbrecher eingesetzt werden.

Stuttgart, den 25. Juli 2008